Biographie

Grafik und Textilkunst » Angela Dolgner

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Das 20. Jahrhundert öffnete jungen talentierten Frauen endlich den Weg an die Kunstakademien und Kunsthochschulen. Johanna Schütz-Wolff, 1896 in Halle als Tochter des Architekten Gustav Wolff geboren und künstlerisch begabt, begann ihre Ausbildung jedoch eher traditionell. Nach dem Besuch eines Seminars für Handarbeitslehrerinnen in Halle 1913, folgte sie ihrer Schwester an die von Henry van de Velde geleitete Großherzogliche Kunstgewerbeschule Weimar, bevor sie 1915 in die hallesche Handwerkerschule eintrat.

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Gerade hatte der Münchner Architekt Paul Thiersch diese Schule übernommen, begann er sie zu einer der führenden Kunstgewerbeschulen in Deutschland zu reformieren. Johanna Wolff nahm zunächst Unterricht bei den Malern Carl Jolas und Heinrich Kopp und gehörte ab 1916 zu den ersten Schülerinnen der Wiener Josef Hoffmann-Schülerin Maria Likarz. Noch während ihrer Ausbildungszeit trat Johanna Wolff mit gebrauchsgrafischen Entwürfen in die Öffentlichkeit. Als Thiersch mit seinen Schülern im November 1916 die „ Franz.Marc-Ausstellung“ in der „Sturm“-Galerie von Herwarth Walden in Berlin besuchte, nahm für Johanna Wolff die begeisterte Verehrung für diesen Künstler, aber auch für Karl Schmidt-Rottluff und die expressionistische Malerei insgesamt ihren Anfang. Erste Arbeiten in dieser Formensprache entstanden, vorzugsweise Emails und Holzschnitte. Thiersch, selbst dem Expressionismus nahestehend, zog neben zwei anderen Schülerinnen auch Johanna Wolff zur Ausmalung des Treppenhauses in Halles Provinzialmuseum für Vorgeschichte 1917/18 heran. Erstmals musste sie sich im großen Format bewähren.

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Unter dem Einfluss des Spätexpressionismus entstanden in Halle ihre ersten großformatigen Gobelins, die den Bildkompositionen Paula Modersohn-Beckers wesensverwandt waren. Sie erinnerte sich an die Stickereien und Teppiche von Macke, Marc und Schmidt-Rottluff und suchte an die große Tradition des figürlichen Wandteppichs anzuknüpfen. Dabei verhielt sie sich der Tradition der Bildwirkerei gegenüber eher unorthodox. Die Kette wird, anders als beim klassischen Gobelin, zu einem tragenden Bildelement. Sie nähte einzelne Webbahnen zusammen, stickte Konturen nach. Ebenso ordnete sie ihre Mittel und Materialien ihren kompositorischen Absichten unter.

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Die zahlreichen Ausstellungen und Verkäufe ließen auf eine erfolgreiche Laufbahn hoffen, doch die Kunstauffassungen der braunen Machthaber setzten dieser ein Ende. Sie zog sich aus dem offiziellen Kunstbetrieb zurück und vernichtete aus Angst vor Verfolgung 13 ihrer frühen Bildteppiche.

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Nur im kirchlichen Umfeld fanden sich noch Möglichkeiten zur Weiterarbeit, so bot ihr unter anderem Otto Bartning 1936 den Entwurf zu einem Putzmosaik für seinen Chemnitzer Kirchenneubau an. 1940 siedelte Johanna Schütz-Wolff mit ihrer Familie nach Hamburg über. Um dem Kriegsgeschehen zu entfliehen, hielt sie sich aber zwischen 1941 und 1947 in Ried in Oberbayern auf.

Nach 1945 knüpfte Johanna Schütz-Wolff scheinbar nahtlos an die 1929iger Jahre an. Von den Bildteppichen wie von den Grafiken geht eine gewisse Strenge aus. Das Spielerische unter dem Einfluss von Maria Likarz war sehr bald gewichen. Sie setzte auf Linien, Flächen und Strukturen. Hauptmotiv ist immer wieder der Mensch, zuweilen bezog sie Tiere in ihre Kompositionen ein. Immer konsequenter wurde ihr Streben nach Abstraktion, ohne den Bezug zur Figur ganz aufzugeben.

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In den 1950iger Jahren widmete sich Johanna Schütz-Wolff zunehmend dem Farbholzschnitt. Angeregt durch die „ Internationale Biennale für Farblithographie“ in den USA seit 1950, veranstaltete die Kestner-Gesellschaft in Hannover im zweijährigen Rhythmus Wettbewerbe und Ausstellungen mit Farbgrafiken verschiedener Techniken, zu denen auch Johanna Schütz-Wolff geladen war und die in verschiedenen Museen und Kunstvereinen der Bundesrepublik sowie im Ausland gezeigt wurden. So lieferte sie beispielsweise das Motiv für das erste Plakat „Farbige Grafik“ 1951.

Zehn Jahre später gehörte die Monotypie zu ihren bevorzugten Drucktechniken. Es entstand eine geschlossene Gruppe, die als ein reifes Alterswerk zu gelten hat. Mit leichter Hand auf dünnem Japanpapier gedruckt, ließ sie all ihre Erfahrungen aus der Bildweberei und dem Holzschnitt in diese Kompositionen einfließen, die Gegenständliches und Abstraktes wunderbar miteinander verbinden.

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Eine Reihe von Werken Johanna Schütz-Wolffs befindet sich heute in öffentlichen Sammlungen, so ihre Teppiche in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, der neuen Sammlung München, im Städtischen Museum Schloß Rheydt in Mönchen-Gladbach, der Nationalgalerie Berlin, dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt und dem Grassimuseum Leipzig. Großformatige Tempera-“Schwarten“, Kleisterbilder, Textilien und Druckstöcke beherbergt die Kunst- und Designsammlung der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle, Briefe und andere schriftliche Dokumente werden im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg verwahrt. Ein umfangreicher Nachlass befindet sich im Besitz ihrer Enkel.


> Johanna Schütz-Wolff, Selbstbildnis, Holzschnitt, 1925


>Johanna Schütz-Wolff


>Johanna Schütz-Wolff, Holzschnitt, 1918


>Johanna Schütz-Wolff, Mutter und Kind, Teppich, 1931


> Johanna Schütz-Wolff mit Tochter Anne, geb.1925


> In Schwabendorft


> Johanna Schütz-Wolff, Der Tote, Teppich (Fragment), 1930


> Johanna Schütz-Wolff, Tänzerinnen, Farbholzschnitt, 1956


> Johanna Schütz-Wolff, 50iger Jahre


> Johanna Schütz-Wolff, Kleine Stadt, Monotypie , 1964


> Paul Schütz und Johanna Schütz-Wolff, 60iger Jahre
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